Die Einheitskrankenkasse (aka Bürgerversicherung) kommt mit Sicherheit – Eine Prognose

Forderungen, das in Deutschland bestehende System aus gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Krankenversicherung zusammenzulegen gibt es schon lange, vor allem von Seiten der SPD, Grünen, Linken und den Gewerkschaften. Die Zusammenlegung ist aus meiner Sicht zwingend. Dieser Text ist jedoch kein Plädoyer für die Einheitskasse, sondern eine Prognose basierend auf folgenden Überlegungen.

Wer sich mit der demographischen Entwicklungen Deutschlands beschäftigt erkennt, dass die Verschiebung des Verhältnisses zwischen der arbeitenden Bevölkerung und Rentnern sich innerhalb der nächsten 10-15 Jahre – wenn die Babyboomer-Generation in Rente geht – dramatisch verändern wird. Während momentan zwei Beschäftige auf einen Rentner kommen wird in wenigen Jahren ein Beschäftigter für einen Rentner aufkommen müssen.

Die Konsequenzen dieser Entwicklung für das Rentensystem werden häufig diskutiert. Die Auswirkungen auf die Krankenversicherung sind aber meines Erachtens noch dramatischer. Auch wenn viele Rentner mittlerweile auch in die Krankenversicherung einzahlen, liegen die Kosten pro Versichertem bei den Rentnern naturgemäß erheblich höher als bei jüngeren Leuten. Man sagt, dass ein Großteil der Kosten in den letzten zwei Lebensjahren anfällt.

In der GKV bleiben den verantwortlichen Politikern nur die Wege, die Beiträge zu erhöhen, die Leistungen zu kürzen und den Steuerzuschuss an die GKVs zu erhöhen. Wahrscheinlich wird die Politik alle diese Wege gehen. Die Beschäftigten werden also immer höhere Abzüge für Renten- und Krankenversicherung haben. Leistungskürzungen sind in Deutschland bisher kaum durchzusetzen gewesen. Ich erinnere mich noch gut an den Shitstorm vor einigen Jahren, als der mittlerweile verstorbene Philipp Mißfelder als Vorsitzender der der Jungen Union thematisiert hatte, ob bei 85jährigen statt des künstlichen Hüftgelenkes nicht auch Krücken reichen würden. Die Politik wird versuchen, solche Rationierungen so lang wie möglich zu vermeiden.

Die PKV leidet hingegen unter den Niedrigzinsen, welche die Kalkulationen der Altersrückstellungen negativ beeinflussen, und dadurch zu weiter steigenden Beiträgen führt. Außerdem werden Privatversicherte von vielen Ärzten und Krankenhäusern als Melkkühe angesehen, an denen man richtig verdienen kann. Außerdem wird es für die PKV immer schwerer neue junge Kunden zu finden, was zur Alterung der Tarife und zu weiteren Kostensteigerungen führt.

Was spricht für die Einheitskasse? Aus meiner Sicht wird der Druck auf die GKV in einigen Jahren so groß werden, dass die Politik sich dazu entschließen wird, die PKV mit der GKV zu verschmelzen, um an die Altersrückstellungen der PKV-Versicherten zu gelangen. Diese betrugen 219 Mrd € in der der privaten Kranken und Pflegeversicherung (Stand 2015) und dürften in wenigen Jahren die 300 Mrd Schwelle überschreiten, also reden wir hier nicht von Peanuts.

Mit der Überführung der Rücklagen in das neue System der Einheitskasse wird das Gesundheitssystem noch für einige Zeit zu stabilisieren sein. Die Beiträge können so stabilisiert und die harten und unpopulären Entscheidungen noch einige Jahre hinausgezögert werden. Die neue Einheitskasse wird eine Grundversorgung bieten, jede darüber hinaus gehende Versorgung kann bei den privaten Versicherungen dazu gebucht werden. Den Privaten Versicherungen verbliebe das Geschäft mit den Zusatzversicherungen, welches umso größer wäre, je eingeschränkter die Grundversorgung wäre.

Ich als Privatversicherter mache mir deshalb keine Sorgen, ob ich meinen Beitrag im Rentenalter noch zahlen kann, da ich diese Entwicklung als politisch zwingend erachte. Natürlich mache ich mir auch keine Hoffnung, dass meine persönliche Altersrückstellung an mich ausgezahlt wird. Dann würde die Verschmelzung ja keinen Sinn machen.

Übrigens begründen die heutigen Protagonisten der Einheitsversicherung diese oft mit dem Argument, dass wir heute eine Zwei-Klassen-Medizin haben. Dieses Argument halte ich für falsch. Es gibt zwar heutzutage Leistungen, die nur von der PKV übernommen werden. Was viele nicht bedenken ist die Tatsache, dass der Leistungsumfang der PKV vertraglich festgelegt ist und es auch Leistungen gibt, welche die PKV nicht zahlt, die GKV jedoch schon. Die derzeitige Bevorzugung der Privatversicherungen bei den Anbietern resultiert nur daraus, dass die Anbieter ein vielfaches Honorar im Vergleich zur Behandlung von Kassenpatienten abrechnen können. Die wirkliche Zwei-Klasse-Medizin werden wir erst mit der neuen Einheitskasse sehen.

Ich freue mich auf Kommentare.

Update 18.11.2016:
Gestern kam der Brief meiner Krankenkasse, mein Beitrag erhöht sich um 23,9% im Vergleich zum Vorjahr. Da scheint die Deflationsbekämfung der EZB doch endlich zu funktionieren 😉

Der Beitrag wurde am Mittwoch, den 16. November 2016 um 12:37 Uhr veröffentlicht und wurde unter Gesundheit, Politik, Wirtschaft abgelegt. du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. du kannst einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf deiner Seite einrichten.

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